Schwellenländer

„Längst haben die neuen Global-Player wie China, Indien und Brasilien die Schwellen überschritten, die sie einst in einem zweiten oder dritten Rang einstuften,“ unterstrich Hans-Dietrich Genscher kürzlich die steigende Bedeutung dieser Länder und stellte damit zugleich einen eingeführten Begriff und ein geläufiges Etikett in Frage. Vor allem ihr kontinuierliches überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum führte zu ihrer Kategorisierung als sogenannte Schwellenländer. Diese machen sich seit den 1970er und 80er Jahren daran, zu den traditionellen Industrieländern aufzuschließen, die noch immer in vielen Bereichen als Vorbild fungieren. Eine alleinige Betrachtung der ökonomischen Seite übersieht allerdings, dass die betreffenden Staaten als zunehmend wichtige Akteure und Verstärker weltweiter Trends auch in der Sicherheits-, Energie- und Klimapolitik auftreten.
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Analysen


  • » China’s Road to Destruction: Following the West on Global Warming.
    von Paul G. Harris, in Global Asia 4, 30 Dezember 2008
    Chinas wirtschaftlicher Aufstieg hat eine Schattenseite: hohe Umweltkosten. Mittlerweile ist das Land der größte Emittent von Treibhausgasen. Zwar sind die Pro-Kopf-Emissionen noch weit unter den Werten der klassischen Industrieländer, eine wachsende Mittelschicht übernimmt jedoch deren energieintensiven Lebensstil und verstärkt so den Klimawandel. Dieser ist maßgeblich von den reichen Ländern verursacht. Ohne Chinas Beteiligung aber werden Klimaschutzbestrebungen nicht erfolgreich sein. Aktuell ist Peking nicht auf einem nachhaltigen Entwicklungspfad, vielmehr scheint es die Fehler des Westens zu wiederholen – mit einschneidenden Konsequenzen für das Klima. [Zusammenfassung: Lars Brückner]

  • » The incremental transformation of the G8 through the Heiligendamm Process
    von Andrew F. Cooper & Kelly Jackson, in Egmont – The Royal Institute for International Relations, Studia Diplomatica – The Brussels Journal of International Relations 2, September/Oktober 2008, S. 79 – 88
    Die G8 sieht sich mit einer doppelten Krise konfrontiert. Einer Legitimitätskrise, da die südlichen Länder nicht vertreten sind. Sowie einer Effizienzkrise, weil die G8-Staaten ohne Beteiligung der Schwellenländer nicht in der Lage sind, eine umfassende und wirksame Strategie gegen globale Probleme wie den Klimawandel zu entwerfen. Daher wurde 2007 der Heiligendammprozess initiiert: ein Dialog mit China, Indien, Brasilien, Südafrika und Mexiko. Daraus resultiert allerdings keine automatische Erweiterung zu einer G13. Zu sehr gehen die Meinungen in der G8 im Hinblick auf eine Reform auseinander. Zudem ist offen, ob bei diesen Ländern überhaupt Interesse an einer G8-Mitgliedschaft besteht. [Zusammenfassung: Lars Brückner]

  • » Indiens Weg zur Wirtschaftsmacht
    von Harald Müller & Carsten Rauch, in APuZ 22, 26. Mai 2008, S. 7 - 13
    Der Subkontinent wird heute als bedeutender Faktor in den internationalen Beziehungen wahrgenommen. Die Stellung Indiens beruht vor allem auf der Dynamik seiner Volkswirtschaft. Die Voraussetzungen dieser Entwicklung liegen bereits in der Zeit der Kolonialökonomie und den Reformen seit den 1980er Jahren. Dabei wurden klassische Entwicklungsschritte übersprungen: Hochtechnologie bildete die Basis der wirtschaftlichen Erneuerung. Der indische Boom wird indes gebremst durch die regionalen Disparitäten des Landes, infrastrukturelle Schwächen, Arbeitskräftemangel und verbreitete Armut. Bei der Bewältigung der Probleme sind Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Föderalismus entscheidende Vorteile. [Zusammenfassung: Lucas Lypp] Bildquelle: Marco Bellucci, License CC Attribution

  • » Wie geht es weiter mit der Entwicklungspolitik?
    von Franz Nuscheler, in APuZ 48, 26. November 2007, S. 3 - 10
    Die klassische Entwicklungszusammenarbeit befindet sich in einer Legitimationskrise. Das zeigen die Wirksamkeitsdebatten der letzten Jahre. Dennoch bildet die EZ nach wie vor einen unverzichtbaren Bestandteil der Außenpolitik, angetrieben von Eigeninteressen und moralischer Verantwortung. Der Autor mahnt allerdings einen Wandel von der nationalen hin zu einer "globalen Zusammenarbeit" (GZ) an und benennt Erfolgsfaktoren. Um die Effektivität zu steigern, sind vor allem Organisationsdefizite auf der Geberseite zu überwinden. Das BMZ ist damit allein überfordert, die EZ muss als ressortübergreifendes gemeinsames Handlungsfeld verstanden werden. [Zusammenfassung: Lucas Lypp]

  • » Der unheimliche Rivale
    von Eberhard Sandschneider, in Eberhard Sandschneider: Globale Rivalen. Chinas unheimlicher Aufstieg und die Ohnmacht des Westens, Carl Hanser Verlag München, 2007, S. 1 – 6
    Es ist Zeit, von der gedankenlosen Bewunderung zur einer realistischen Einschätzung der Volksrepublik zu gelangen, die der Komplexität des Phänomens China gerecht wird und einen angemessenen Umgang mit Peking ermöglicht. China ist ein Exponent der neu sich formierenden Weltordnung. Das wachsende außenpolitische Selbstbewusstsein resultiert aus einer ökonomischen Erfolgsgeschichte. Dabei birgt die Reformpolitik hohe innenpolitische Risiken. Zwischen China und dem Rest der Welt, vor allem den USA, zieht zudem eine Rivalität herauf, die es für den Westen ratsam erscheinen lässt, seine Chinapolitik besser zu koordinieren. Es wird „der entscheidende machtpolitische Konflikt des 21. Jahrhunderts“. [Zusammenfassung: Lucas Lypp]

  • » Corporate Social and Environmental Responsibility in India - Assessing the UN Global Compact's Role
    von Tatjana Chahoud, in DIE Studies 26, 2007, 118 S.
    Der von UN-Generalsekretär Annan begründete Global Compact ist eine weltweite Initiative zur Corporate Social Responsibility. Die traditionellen CSR-Aktivitäten indischer Unternehmen sind auf Umweltthemen, Gesundheits- und Bildungsprojekte fokussiert, beschäftigen sich jedoch weniger mit Menschenrechten und Antikorruption. Aufgrund des schwachen Kommunikationsnetzwerks hat der UNGC nicht viel Einfluss auf das Sozial- und Umweltverhalten der Unternehmen. Diese schlagen daher vor, die Koordination zu verbessern und zivilgesellschaftliche Organisationen einzubeziehen. Um die Glaubhaftigkeit der CSR zu steigern, sind zudem eine nachhaltige Finanzierung sowie begleitende Kontrollen anzustreben. [Zusammenfassung: Aylin Ünal]

  • » Chinas wirtschaftlicher Aufstieg und Einstieg in das internationale System
    von Andreas Beyer, in aussenpolitik.net, April 2007
    Die Volksrepublik China hat eine Bevölkerung von 1,3 Milliarden, einen riesigen Markt und ehrgeizige Ziele. Dabei trifft die vormals kollektivistisch organisierte Gesellschaft unter einer autoritären Führung auf ein wirtschaftlich und militärisch von demokratischen Marktwirtschaften dominiertes Umfeld. Das Dilemma der chinesischen Führung: Der Aufstieg Chinas von der isolierten Regional- zur Großmacht ist nicht ohne Zugeständnisse an die Staatengemeinschaft zu schaffen. Die Verbreitung von Werten wie Demokratie oder Rechtsstaatlichkeit unterminiert dabei die Machtstellung der kommunistischen Partei. Peking muss daher auf der internationalen Bühne eine schwierige Gratwanderung vollziehen. [Zusammenfassung: Andreas Beyer]

  • » Summitry from G5 to L20: A Review of Reform Initiatives
    von Peter I. Hajnal, in CIGI Working Paper 20, März 2007, 36 S.
    Zwar hat die G8 -- als ein exklusives Forum demokratischer industrialisierter Staaten -- in drei Jahrzehnten ihre Fähigkeit zur Wandlung unter Beweis gestellt, jedoch ohne dass die Verschiebung der globalen Machtverhältnisse angemessen berücksichtigt worden wäre. So wurden aufstrebende Länder weder in ausreichendem Maße in einzelne Tätigkeitsbereiche der G8 einbezogen, noch wurde ihnen eine Mitgliedschaft in Aussicht gestellt. Eine Fülle an Reformvorschlägen ist unterdessen erarbeitet worden, die eine Erweiterung des Forums, die Einschränkung seiner Kompetenzen, bis hin zu dessen gänzlicher Abschaffung vorsehen. Der Beitrag untersucht die Palette der Reformvorhaben. [Zusammenfassung: Diego Glaeser Grados]

  • » The Southern African Development Community and its Relations to the European Union - Deepening Integration in Southern Africa?
    von Ariane Kösler, in ZEI Discussion Paper 169 / 2007, 42 S.
    Wichtigster Beispielgeber und Kooperationspartner regionaler Integration in Afrika ist die EU. Der Kontinent weist 14 teils überlappende Zusammenschlüsse auf, darunter die 1980 gegründete SADC, die bereits substanzielle wirtschaftliche und politische Integrationsschritte zurückgelegt hat. Dennoch sind weitere Impulse nötig. Sowohl Mitglieder als auch externe Spieler müssen die Gemeinschaft als einheitlichen Akteur unterstützen. Dabei ist die EU-Politik hilfreich, aber auch nicht frei von Inkohärenzen, wie der Abschluss eines bilateralen Handelsabkommens mit Südafrika zeigt. Die Autorin zeigt die größten Entwicklungshemmnisse des afrikanischen Projekts auf. [Zusammenfassung: Lucas Lypp]

  • » Brasilien nach den Wahlen 2006
    von Silvana Krause, in APuZ 51-52, 18. Dezember 2006, S. 25 - 31
    Im Oktober 2006 wurde Präsident Lula da Silva wieder gewählt. Er hatte 2002 einen politischen Richtungswechsel herbei führen können. Eine Koalition aus Arbeiter- und liberaler Partei regiert nun die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas. Der Beitrag analysiert die Machtverhältnisse in Kongress und Senat sowie die gesellschaftliche und regionale Basis der politischen Kräfte. Dabei wird die soziale Spaltung des Landes in einen ärmeren Norden und einen wohlhabenderen Süden deutlich. Auch für die neue Regierung gehören die Ankurbelung der Wirtschaft, Schuldenabbau, Stabilisierung der Wechselkurse sowie Bekämpfung von Armut, Arbeitslosigkeit und Inflation zu den Hauptaufgaben. [Zusammenfassung: Lucas Lypp]

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